Spontanes Bloggen am Samstag mit Regen

Samstagnachmittag. Schwere Wolken verstecken die Sonne. Heute werde ich die Wiese und die Obstbäume vermutlich nicht wässern müssen. Die Wettervorhersage hat es angekündigt. Es wird Regen geben. Im Internet auf meiner Wetterseite stand etwas von 90% Prozent Regenwahrscheinlichkeit.

Noch ist es trocken. Und wenn ich ehrlich bin, sehen die Wolken für mich nicht nach Regen aus. Auch vom angekündigten starken Wind ist nichts zu spüren. Hoffentlich geht der Regen nicht an uns vorbei. Der Boden braucht dringend Wasser. Unser tägliches Wässern reicht leider nur oberflächlich.

Auf Twitter hatte ich vor einigen Tagen bedauert, dass es bei uns zu wenig regnet. Die Antwort kam prompt. Ich solle doch nicht so ein Miesepeter sein. Es wäre doch toll, wenn die Sonne scheint. Da solle ich doch lieber wie alle anderen das Leben genießen. Ja, das sollte ich vielleicht.

Endlich Regen

Die Wolken werden dunkler und bedrohlicher. Sonst schalte ich das Licht erst nach 20:30 Uhr ein. Der Regen bricht sich Bahn und der Wind treibt die Tropfen ans Fenster. Auch Hagelkörner dick wie Erbsen mischen mit. Sie schmelzen in Rekordzeit. Die Temperatur ist noch über 30 Grad. Doch sie fällt.

Ein böiger Wind ist aufgekommen. Für ein paar Minuten gießt es so sehr, dass der Boden die Nässe nicht so schnell aufnehmen kann, wie sie über ihn kommt. Dazu gibt es Teile in meinem Garten, wo der sandige Untergrund das Wasser abperlen lässt. Beim Wässern mit dem Schlauch frage ich mich immer wieder, wodurch das wohl kommt.

Viele der Sand- und Schotterstraßen in dieser Gegend weisen Wasser ab und bilden riesige Pfützen. Dort wo es einsickert, ist es schnell in der Tiefe verschwunden. Hier im märkischen Sand hält der Boden keine Feuchtigkeit.

Regentropfen und Hagelkörner arbeiten sich an meinen Fensterscheiben ab. Es wird nichts helfen, es wird keine Schrammen geben. Die Fenster bleiben geschlossen. Dazu blitzt es jetzt ab und zu. Aber ein richtiges Unwetter ist es nicht. Ich habe schon Schlimmeres erlebt.

Zweite Welle

Nach 10 Minuten schließen die Wolken ihre Durchlässe. Hoffentlich nur vorübergehend. Kurz denke ich darüber nach, ob ein Mensch wirklich Sonne braucht, um das Leben genießen zu können. Der Kommentar auf Twitter hat mich noch nicht losgelassen. Besser umgekehrt, ich habe ihn noch nicht losgelassen.

Zumindest scheint es bei vielen Leuten in unseren Breiten so zu sein, dass ihnen ihr Leben ohne Sonne trübe erscheint. Vermutlich ist das der Grund, warum so viele Internetmarketer mir weismachen wollen, dass wirklicher Erfolg darin besteht, von einer an einem menschenleeren weißen Strand gelegenen Villa aus übers Internet unendlich Kohle zu machen.

Die nutzen die Sehnsüchte der Menschen aus. Ich will aber gar nicht in der Karibik oder an sonst einem Strand leben. Wo bleiben da meine Freunde und meine Familie? Ohne diese Menschen verliert mein Leben an Qualität. Und unter uns, ich bin nicht einmal ein Familienmensch.

Der Regen, diesmal ohne Hagel, reißt mich aus meinen Überlegungen. Die zweite Welle ist angekommen. Ein heftiger Platzregen. Die Pfützen stehen gleich wieder im Gras. Meine Scheiben weisen die Nässe ab, wie schon vorhin der Boden.

Melancholie

Ich mag solche Nachmittage. Ich liebe Nebel und leichten Regen. Da gehe ich auch ohne Regenschirm spazieren. Starker Regen lässt mich drinnen bleiben, aber damit kann ich leben. Das Verschleiernde, das Geheimnisvolle das einem Nebel innewohnt, wird mich mein Leben lang faszinieren.

Nebel ist für mich wie ein Blick in die Zukunft. Manche Dinge zeichnen sich ab, je näher sie in der Zukunft liegen beziehungsweise je näher ich ihnen komme. Alles, was weiter entfernt ist, bleibt verborgen. Ich fand es schon immer spannender, die Länder, die Gegenden, die ich besuche, zu erkunden, um Neues zu sehen und zu lernen.

Am Strand in der Sonne liegen finde ich spätestens nach ein, zwei Stunden langweilig. Nach einem Tag am Meer wäre ich urlaubsreif. Ich glaube, ich kann das Leben sehr wohl genießen, wenn es regnet.

Es ist allemal spannender für mich, während eines Gewitters ein Buch zu lesen oder dem unregelmäßigen Getrappel der Regentropfen auf einem Dach zu lauschen. Mehr davon, bitte, und vor allem häufiger. Ich will in keiner Steppe oder Wüste leben, wo immer nur die Sonne scheint.

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