Musik als mein Lebensbegleiter

Musik als treuer Begleiter – zwischen Rebellion, Trost und Weltsicht

Ich habe schon früh begonnen, über das Hören von Musik vieles zu kompensieren. Vor allem Rockmusik hatte für mich eine besondere Funktion: Sie brachte mich auf andere Gedanken, wenn ich festhing. Sie baute mich auf, wenn ich niedergeschlagen war. Sie war ein Ventil, wenn sich Frust angestaut hatte.

Herbstliches Blatt auf Wasser mit Schallwellen in Tuschemalerei-Stil
Ein Symbol für die Kraft der Musik, die uns bewegt – zart, tief und manchmal aufrührerisch

Seit mein Vater mir als Kind das Hören dieser „Affenmusik“ verboten hatte, wurde Musik für mich auch ein Akt der Rebellion. Mit „Affenmusik“ meinte er Beatmusik. Ich war vielleicht elf Jahre alt, als er mir verbot, den „Beat-Club“ im Fernsehen zu schauen – mit der Begründung: „Das ist Affenmusik, die dein Hirn zerstört.“ Bis dahin hatte ich noch keine Vorstellung davon, dass Beat- und Rockmusik auch eine Haltung transportieren können. Doch dieses Verbot hat etwas in mir in Bewegung gesetzt. Ich begann zu spüren, dass Musik mehr ist als Klang. Dass sie ein Lebensgefühl ausdrückt – und dass sie mir helfen kann, meines zu finden.

Seit den 1960er Jahren begleitet mich Rockmusik durch alle Phasen meines Lebens. Wenn alles andere weggebrochen ist oder ich mich zurückgezogen habe, war sie da – verlässlich, ehrlich, unpathetisch. Inspiration, Trost, Ausdruck – oft alles zugleich.

Ende der siebziger Jahre begann für mich mit dem Punkrock eine neue Ära. Endlich wurde wieder direkter rebelliert – roh, laut, kompromisslos. Und das drückte sich nicht nur in der Haltung aus, sondern auch im Sound. Während viele der einst aufrührerischen Rockbands immer orchestraler und gefälliger wurden, suchte ich nach einer Form von Musik, die meine wachsende Frustration über gesellschaftliche Verhältnisse greifbar machte. Punk gab mir genau das: Energie, Klarheit und einen rebellischen Impuls, der mich wieder mit der ursprünglichen Kraft der Musik verband.

Mein Zugang zu Songs war dabei immer zunächst ein musikalischer: Die Melodie, der Rhythmus, die Stimmung – das war es, was mich zuerst berührt hat. Erst später, manchmal eher zufällig, habe ich begonnen, auch auf die Texte zu achten. Wenn mir dabei etwas auffiel, das in mir nachhallte, suchte ich gezielt nach dem Text – manchmal auch nach Deutungen. Heute hilft mir dabei die KI: Sie findet nicht nur die Texte, sondern liefert auch erstaunlich präzise Interpretationen – oft besser als klassische Suchmaschinen.

Inzwischen schreibe ich selbst über Songs, die mich tief beeindruckt haben. Dabei versuche ich, noch eine weitere Ebene hineinzubringen: die des Konstruktivismus und des Stoizismus. Das mag zuweilen wie eine Überinterpretation wirken – zumal mein Englisch nicht ausreicht, um alle Nuancen der Originaltexte zu erfassen. Deshalb nutze ich auch hier KI als Übersetzungs- und Interpretationshilfe. Ich weiß, dass sie manchmal fantasievoll ergänzt. Doch das stört mich nicht.

Denn was ich aus der Musik ziehe, ist nicht nur Gefühl – es ist auch Erkenntnis, aus dem was ich mir gedanklich zurechtlege. Es bringt mich weiter. Es spiegelt meine Sicht der Welt. Und es hilft mir, meine Wahrheiten zu formen – in einem offenen, beweglichen Prozess, der bis heute anhält.