Es gab eine Zeit in meinem Leben, da war der Zweifel ein wiederkehrender Begleiter. Nicht dramatisch, nicht laut – eher wie ein stiller Schatten, der sich zwischen mich und mein Selbstverständnis schob. Ich funktionierte, war zuverlässig, erbrachte Leistung – und fühlte mich dennoch nicht wirklich sicher in dem, was ich tat.

Erfahrungen als SAP-Experte – und die leise Unsicherheit

Ich arbeitete freiberuflich als SAP-Experte. Für alle, die das nicht kennen: SAP ist eine Software, mit der Unternehmen ihre Geschäftsprozesse steuern – vom Einkauf über die Logistik bis zur Finanzbuchhaltung. Ich unterstützte Teams in großen, international tätigen Unternehmen dabei, diese Systeme einzurichten, optimierte Abläufe und half Mitarbeitern und Führungskräften, sich im täglichen Gebrauch zurechtzufinden.

Oft sprach ich direkt mit Entscheidungsträgern, brachte Vorschläge ein, übernahm Verantwortung. Und doch hatte ich immer wieder das Gefühl, nicht wirklich dazuzugehören. Als müsste ich mich beweisen in einer Welt, für die ich formal nicht vorgesehen war.

Kein geradliniger Weg – und die Sache mit dem Abschluss

Mein Studium hatte ich abgebrochen. Es war ein geisteswissenschaftliches Fach, das mit Informationstechnologie oder Logistik rein gar nichts zu tun hatte. Auch eine kaufmännische Ausbildung hatte ich nicht.

Und jedes Mal, wenn in einer Projektanfrage der Satz auftauchte – „abgeschlossenes Studium in …“ – spürte ich, wie sich innerlich etwas zusammenzog.

Ich erledigte meine Aufgaben gut, fand praktikable Lösungen, wurde geschätzt – und trotzdem blieb dieser Gedanke: Irgendwann merken sie, dass ich nicht ausreiche.

Der tückische Selbstzweifel und seine Folgen

Diese Art von Zweifel ist heimtückisch. Sie untergräbt nicht nur das Vertrauen in die eigene Arbeit, sondern auch das grundsätzliche Gefühl, beruflich überhaupt richtig zu sein.

Und sie sucht sich Ventile.

Ich kenne einige Menschen – mich eingeschlossen –, die in solchen Phasen zum Alkohol greifen. Nicht um zu feiern, sondern um den inneren Druck zu dämpfen.

Bei mir war es kein exzessiver Konsum, sondern eher ein regelmäßiges, leises Betäuben. Ein Versuch, mit dem ständigen inneren Spagat umzugehen: außen professionell – innen unsicher.

Erst im Rückblick wurde mir klar, wie viel Kraft es mich gekostet hatte, beides gleichzeitig zu halten: die Rolle und den Zweifel.

Zweifel als Begleiter – und nicht als Feind

Heute, als Ruheständler, brauche ich viele dieser Masken nicht mehr. Und doch: Der Zweifel ist nicht weg – er hat nur seine Funktion verändert.

Ich sehe ihn nicht mehr als Störfaktor. Eher als Zeichen dafür, dass mir etwas wichtig ist. Dass ich mich einbringen will, echt. Nicht nur abarbeiten, sondern gestalten.

Der Zweifel zeigt mir: Hier geht es nicht um Routine, sondern um Resonanz.

Rückblick und Erkenntnisse

Wenn ich heute auf all die Jahre ohne offiziellen Abschluss zurückschaue, sehe ich nicht mehr den Mangel. Ich sehe Lernwege. Erfahrung. Entwicklung.

Ich habe kreative Lösungen gefunden – für meine Kunden ebenso wie für mein eigenes Leben.

Nicht Lehrbücher oder Zertifikate haben mich geprägt, sondern das, was ich in der Praxis gelernt und ausprobiert habe. Und der Mut, einfach zu handeln – auch wenn ich mir dabei nicht sicher war.

Mut zum eigenen Beitrag

Vielleicht ist es das, was am Ende zählt: Dass wir handeln. Dass wir lernen. Dass wir weitermachen – nicht trotz des inneren Zweifels, sondern mit ihm.

Nicht weil wir uns etwas vormachen, sondern weil wir spüren, dass wir etwas beizutragen haben. Auf unsere Weise. Ohne Stempel. Ohne Absolution von außen.

Und wenn du dich manchmal fremd fühlst, obwohl du längst Teil des Ganzen bist: Du bist nicht allein.
Vielleicht geht es nicht darum, irgendwann keine Zweifel mehr zu haben. Sondern zu lernen, mit ihnen zu leben – aufrecht, ehrlich, offen.
Und ihnen leise zu sagen: Danke, dass du mich erinnerst. Aber heute gehe ich weiter.

Und du?

Wenn du magst, nimm dir heute ein paar Minuten Zeit, um deinen eigenen Umgang mit Selbstzweifeln zu betrachten. Was hast du aus ihnen gelernt? Und was brauchst du, um weiterzugehen?

Ein kleiner Hinweis
Die Gedanken in diesem Beitrag entspringen meiner eigenen Sicht auf die Dinge – einer Sicht, die sich laufend entwickelt. Beim Schreiben lasse ich mich von Künstlicher Intelligenz unterstützen: für Struktur, Lektorat, SEO und die Gestaltung der Bilder. Die Illustrationen orientieren sich am Stil klassischer japanischer Tuschemalerei – ein Ausdruck für meine Vorliebe für das Leise, das Spielerische, das Offene.
Was ich hier teile, ist kein fertiges Wissen. Es ist ein Zwischenstand auf meiner Reise – vielleicht auch ein Impuls für deine.