In meinen Artikeln schreibe ich über Erlebnisse aus meinem Leben – und über das, was ich auf meiner Suche entdecke. Gerade diese Suche, das Streben nach Einsicht und Weisheit, halte ich für den entscheidenden Aspekt: Für mich ist sie der Weg zu einem gelingenden Leben.
Wie die Natur sind auch wir Menschen ständig im Wandel. Im Frühjahr zeigt sich die Blüte, im Sommer die Kraft, im Herbst die Reife und im Winter die Ruhe. Solche Phasen spiegeln sich auch in unserem Leben wider. Nach einer Reifephase folgt der nächste Schritt. Und ebenso wichtig sind die Zeiten der Ruhe, in denen wir Kraft sammeln, um erneut wachsen zu können. Das Leben verläuft nie gleich – selbst ähnliche Situationen führen jedes Mal zu anderen Ergebnissen.
Lange Zeit hatte ich Schwierigkeiten mit der stoischen Lehre. Das Wort „Tugend“ klang für mich nach Einschränkung und nach einem Instrument, mit dem Machthaber andere kleinhalten wollten. Ich sah es zu nah an religiösen Mustern, die in der Geschichte auch viel Leid hervorgebracht haben – von der Inquisition bis zum Völkermord an indigenen Völkern. Und oft wurden Menschen unter dem Deckmantel der Gottesverehrung in Unwissenheit gehalten.
Heute sehe ich den Stoizismus anders. Die alten Stoiker haben eine praktische Philosophie entwickelt, die den Alltag erleichtern kann. Für mich bedeutet Stoizismus: bewusst nach meinen Werten zu leben – mit Mut, Gerechtigkeit, Verantwortung und Menschlichkeit. Klar zu unterscheiden, was in meiner Macht steht und was nicht. Gelassen zu bleiben, an inneren Tugenden zu wachsen und frei zu handeln, auch wenn die äußeren Umstände sich nicht ändern lassen.
Diesen Weg möchte ich in meinen kommenden Blogposts weiter beschreiben. Drei Beispiele aus den letzten beiden Wochen zeigen, wohin diese Reise führen kann:
Das Samenkorn, das mein Leben veränderte – und warum es Jahre im Verborgenen lag
In meinem dritten Artikel geht es um einen Gedanken, den ich als Schüler aufgeschnappt und damals kaum beachtet habe. Erst viele Jahre später wurde mir klar, dass genau dieser unscheinbare Satz mein Leben verändern würde – wie ein Samenkorn, das lange im Verborgenen liegt, bevor es keimt.
Dabei habe ich erfahren: Wir wissen nie, welche Informationen oder Erlebnisse irgendwann Bedeutung bekommen. Aber wir haben immer die Wahl, ob wir sie annehmen oder ablehnen. Wichtig ist, offen zu bleiben für Veränderungen – auch wenn der Weg dorthin lang sein kann. Manchmal ist es gerade diese Offenheit, die ein Leben in eine neue Richtung führt.
Meine Geldbörse auf Abwegen – und was ich über Kontrolle, Haltung und mich selbst gelernt habe
In einem anderen Artikel erzähle ich von einer Erfahrung, die mich kalt erwischt hat: ein Taschendiebstahl in Prag. In Sekunden war die Geldbörse weg – und mit ihr mein Gefühl von Sicherheit. Wut, Misstrauen und Ohnmacht nahmen überhand. Erst Schritt für Schritt fand ich zurück in die Handlungsfähigkeit: Polizei aufsuchen, Formulare ausfüllen, Klarheit schaffen.
Ich habe gespürt, wie wichtig Haltung ist, wenn Kontrolle verloren geht. Und dass es in solchen Momenten nicht darum geht, alles im Griff zu haben, sondern darum, nicht stehenzubleiben und wieder Subjekt des eigenen Handelns zu werden. Am Ende nahm die Geschichte sogar eine überraschende Wendung – die Geldbörse tauchte wieder auf. Für mich aber bleibt die eigentliche Lehre: Haltung trägt weiter als Kontrolle.
Komplexität ist Alltag – und wir können damit umgehen
In meinem Artikel erzähle ich von einer Situation im Straßenverkehr: Ein Kind fährt plötzlich auf die Straße, und in Sekundenbruchteilen muss ich reagieren. Nicht die Vorfahrtsregel zählt, sondern mein Denken, mein Wahrnehmen, mein Handeln. Dabei wurde mir klar: Solche Situationen sind nicht einfach „Entweder-oder“. Sie sind komplex – und trotzdem meistern wir sie. Wir achten, wägen ab, handeln aus Erfahrung und sozialem Empfinden. Komplexität ist kein Ausnahmefall, sondern längst Teil unseres Alltags. Und wir können lernen, damit gelassener und freier umzugehen.
Alle drei Geschichten haben etwas gemeinsam: Sie zeigen, dass wir Menschen mehr können, als wir im ersten Moment glauben. Ob in der Komplexität des Alltags, in Extremsituationen voller Kontrollverlust oder in der langsamen Reifung eines Gedankens – immer geht es darum, die eigene Haltung zu finden. Nicht das starre Festhalten an Sicherheit oder Recht bringt uns weiter, sondern die Fähigkeit, uns einzulassen: auf das, was gerade geschieht, auf das, was möglich ist, und auf das, was vielleicht erst Jahre später Bedeutung bekommt.
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